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Genau wie wir Menschen regulieren auch Pferde ihre Körpertemperatur durch Schwitzen. Pferde haben sogenannte apokrine Schweißdrüsen. Das bedeutet, dass sich im Ansatz jeden Haares eine Schweißdrüse befindet. Die Anzahl der Schweißdrüsen hängt somit mit der Dichte des Fells zusammen. Allerdings hängt die Stärke des Schwitzens auch noch von anderen Faktoren ab: der Hals schwitzt stärker als der Rücken, nicht etwa, weil sich dort mehr Schweißdrüsen befinden, sondern weil die Drüsen dort empfindlicher sind.  Dort haben Pferde eine höhere Temperaturempfindlichkeit als über Kruppe oder Rücken.

Eines der am häufigsten missverstandenen Zeichen der Passform eines Sattels, sowohl positiv als auch negativ, sind die Schweißstellen, die sich nach einem Ritt abzeichnen, wenn man das Pad abgenommen wird. Idealerweise sollten die Staubabdrücke auf dem Pad und die Schweißstellen auf dem Pferd gleichmäßig verteilt sein.

Der meiste Staub sammelt sich dort an, wo die meiste Bewegung ist. Also dort, wo die Schulter sich nach vorn und hinten bewegt und hinten, wo der Rücken sich nach oben und unten bewegt. Dort, wo der Sattel den Pferdekörper kaum berührt, sollte sich auch kein Staub finden, also an der Sattelkammer und dem Kissenkanal oder am Übergang zwischen Schweißblatt und Kissen.

Im optimalen Fall hat der Sattel eine gute Lage und Passform, was in einem gleichmäßigen Schweißbild resultiert. Besonders die Stellen unter dem Vorderzwiesel sind hier relevant, da hier der Sattel am ruhigsten und möglichst bewegungslos liegen soll. Dort sollte es keinen Staubabdruck und keine Bewegung geben, da hier der größte Teil des Reitergewichts liegt.

Die Vorhand des Pferdes trägt allein um die 60% des Pferdes, mit Reiter auf dem Rücken aber bis zu 75%, was das „saubere Dreieck“ unter dem Vorderzwiesel relevant macht: es zeigt auf, dass der vordere und der hintere Bereich des Sattels ausreichend entlastet sind und das Pferd dadurch den Rücken aufwölben und die Hinterhand aktiv nutzen kann.

Das Pferd muss den Rücken anheben, um das Gewicht von der Vor- auf die Hinterhand zu verlagern. Erst dann kann es das Becken kippen und mit der Hinterhand nach vorne, unter dem Schwerpunkt treten. Wenn das Gewicht auf der Hinterhand statt der Vorhand ruht, wird es in der Vorhand größer und springt und bewegt sich besser. Somit sollten die meisten Abdrücke durch Bewegung auf dem Sattelpad auf der vorderen Schulterpartie und hinten befinden, allerdings niemals unter dem Vorderzwiesel.

Im Vergleich: trägt ein Mensch ein weißes T-Shirt, ist die schmutzigste Stelle immer der Hals, unabhängig davon, ob es passt, oder nicht. Dort sammelt sich der meiste Umgebungsschmutz und es herrschen die meiste Bewegung und Hautkontakt. Die sauberste Stelle allerdings ist dort, wo das Shirt eng an der Haut anliegt. Der Sattel beim Pferd ist unter den Ortspitzen und der Steigbügelaufhängung (Sturzfeder) am unbeweglichsten, vergleichbar mit den Schultern des T-Shirt-tragenden Menschen. Hier sammelt sich am wenigsten Umgebungsschmutz und Reibung zwischen Material und Haut/Fell. Akzeptabel auf dem Sattelpad sind 15 bis 20 Zentimeter lange, nierenförmige trockene Stellen unter der Steigbügelaufhängung, aber in der Sattelauflagefläche dürfen selbst kleine trockene Punkte nicht zu finden sein, da sie auf Druck durch zusammengeklumpte Kissenfüllung auf den Pferderücken hinweisen.

Englische Sattelbäume haben oft einen leichten Schwung am Ende des Baumes, wodurch der Sattelhersteller die Kissen im Bereich des Hinterzwiesels, der Ortspitzen und der Sturzfeder stärker füllen kann, was es möglich macht, die Polsterung in diesem Bereich optimal zu gestalten.

Die Herausforderung für Sattler und Reiter ist es, die genau richtige Weite des Sattels zu finden, damit das Pferd nicht durch zu viel Schwung irritiert wird, es nicht zu Haarverlust kommt und es wenig Bewegung zwischen Sattel und Reiter gibt, da sonst die Hilfen missverständlich sind.

Natürlich könnten wir einen Sattel mit breiterem Baum nehmen und durch zusätzliche Sattelpads ausgleichen. Allerdings wäre das so, als ob Fußballspieler drei paar Socken trügen, damit der zu große Schuh nicht rutscht. Das kann also nicht die Lösung sein. In Wirklichkeit möchte man Pferd und Reiter so nah wie möglich zusammenbringen. Der Sattel ist die Schnittstelle, die dafür sorgt, dass ein Maximum an Kommunikation und Hilfen möglich ist, ohne dass die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt ist oder es gar zu Langzeitschäden kommt.

Beim englischen Sattel dient das Sattelpad lediglich dazu, das Leder vor Pferdeschweiß zu schützen. In einigen Teilen Europas wird nie ein Pad benutzt. Das Wohlbefinden des Tieres ist durch einen passenden Sattel mit korrekt angepasstem Kissen gewährleistet und nicht durch die Pads von englischen Sätteln. Bei Westernsätteln ist das anders. Hier ist der Baum gerader und größer. Es gibt keine Dämpfung, nur ein dünnes Fleece, das auf die Unterseite genagelt ist, so dass das Pad nicht rutscht. Das Westernpad dient der Polsterung eines größeren, geraderen und mehr Gewicht tragenden Baumes.

Die heutigen Technologien bieten Computersattelpads, endoskopische Kameras, die während des Reitens in die Pferdemuskulatur unterhalb der Sattellage injiziert werden oder das Röntgen der Wirbelsäule von unten durch das Rektum des Pferdes. Dadurch können wir uns ein sehr viel besseres Bild der Tatsachen machen und müssen uns nicht auf Meinungen und Theorien stützen. Der Staubabdruck als Anhaltspunkt für die Sattelpassform ist im Vergleich dazu willkürlich und weniger belastbar, da er durch viele Faktoren beeinflusst wird, so zum Beispiel die Bewegung des Sattelpads, wenn der Sattel zu groß ist, ein rutschendes Sattelpad oder eines, das unkorrekt gesäumt wurde. Es ist immer noch am besten, einen qualifizierten Sattler zu haben, um herauszufinden, was WIRKLICH Sache ist.

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Ari
Ari
8 Monate zuvor

Sehr hilf- und aufschlussreich!
Vielen Dank für die Informationen zu dem Thema!

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